Als Kind hattest du hoffentlich fürsorgliche Erwachsene, die sich um dich gekümmert haben. Je älter du geworden bist, desto mehr Verantwortung hast du für dich selbst übernommen.

Vielleicht gibt es Erwartungen oder Forderungen, die von außen an dich gestellt werden. Du bekommst Anweisungen oder Aufträge.

Wer kümmert sich heute darum, dass es dir gut geht?

Das ist vor allem deine Aufgabe.

Selfcare bedeutet für mich: Sorge für dich selbst und das hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern mit mentaler und körperlicher Gesundheit. Selfcare beginnt für mich bei der Grundversorgung, geht über Selbstreflexion hin zu: Sei du selbst.

Frau vor dem badezimmerspiegel, daneben ein offenes Tagebuch
Text: Sorge gut für dich selbst; Selfcare = Verantwortung für dich übernehmen

Warum Menschen auf Selbstfürsorge verzichten

Ein Verzicht auf Selbstfürsorge geschieht meist in guter und fürsorglicher Absicht.

Fürsorge für andere. Dabei werden eigene Bedürfnisse manchmal vernachlässigt oder auch bewusst ignoriert. Es ginge nicht anders, wird häufig gesagt. Es muss ja jemand machen, was getan werden muss … Und ich kann das gut nachvollziehen.

Neben dem es gehe nicht anders, ist eine weitere Idee, die mir häufig begegnet die, dass wir all das, was wir geben auch zurück bekommen. Wer sich also um andere kümmert, wird ebenfalls Fürsorge erfahren. Ich mag die Idee von Geben und Nehmen durchaus. Sie ist auch nicht völlig falsch. Schwierig wird es, wenn du immer mehr gibst, dich selbst vernachlässigst und es niemanden gibt, der für dich da ist, wird es schwierig.

Wenn du dich nicht um dich kümmerst, wer dann?

Ich will damit nicht sagen, dass es keine liebevollen Menschen gäbe, die füreinander da seien. Die gibt es durchaus. Die Hauptverantwortung für dich und dein Leben liegt bei dir.

Falls du Unterstützung im Alltag benötigst und diese erhältst ist das kein Grund, dich mies zu fühlen, sondern für mich ein Teil deiner Selbstfürsorge, diese Form von Hilfe anzunehmen.

Selfcare als Teil der Grundversorgung

Selbstfürsorge beginnt für mich bei Körperhygiene und Ernährung.

Das mag selbstverständlich klingen, aber schau mal auf einen stressigen Tag. Was bist du bereit zu opfern? Gehst du mal ohne Zähne putzen ins Bett oder gönnst dir Fast Food, damit es schnell geht?

Ich verurteile nichts davon, möchte lediglich darauf hinweisen, dass die Basisversorgung keineswegs selbstverständlich ist. Wenn unser Leben anstrengend wird oder wenn wir krank werden. Bleibt es bei Ausnahmen, ist das noch lange kein Problem. Wird die Ausnahme zum Dauerzustand, wird das zu einem Risiko für die eigene Gesundheit.

Wer mit einem fiebrigen Infekt flach liegt, wird wenig Kraft dafür haben sich selbst etwas zu kochen, vielleicht die Haare einen Tag später waschen, weil es unmöglich scheint in der Dusche stabil zu stehen. Das ist vollkommen okay und vielleicht gibt es liebevolle Menschen, die sich um die Zubereitung von Essen kümmern.

Bei einer Depression oder anderen mentalen Krisen ergeht es uns ähnlich. Es fehlt die Kraft für Alltägliches. Hier erfahren wir weniger Verständnis und Unterstützung aus dem Umfeld, als bei einem Infekt.

Sei du Selbst

Ich bin davon überzeugt, dass wir in unserem Leben immer wieder herausgefordert und erschüttert werden. Um ein mental gesundes Leben zu führen, ist es hilfreich, wenn wir in möglichst allen Kontexten, wir selbst sein können. Wenn wir verbunden sind mit unseren eigenen Werten, unsere Bedürfnisse, unsere Ressourcen und unsere eigenen Muster kennen.

Wenn Verhalten zur bewussten Entscheidung wird, erhöht das unseren Handlungsspielraum.

All das kann zu unserer mentalen Gesundheit beitragen und dazu, dass wir gut durch Krisen kommen.

Selbstreflexion hilft zu erkennen, was du wirklich brauchst

Deswegen ist Selbstreflexion für mich ein essentieller Teil von Selbstfürsorge und das Bindeglied zwischen der Grundversorgung und einem gesunden Selbstwert, so wie einem Leben als du selbst. Selbstreflexion ist durchaus mehr, als der Weg zur Erkenntnis, was du wirklich brauchst. Es geht auch darum, die eigenen Verhaltensweisen und Muster zu hinterfragen. Nicht nur im Hinblick darauf, ob sie dir selbst gut tun, sondern auch die Interaktion mit anderen Menschen zu beleuchten.

Es kann sinnvoll sein, uns regelmäßig selbst zu hinterfragen, was nicht dasselbe ist, wie sich in Frage zu stellen!

Du bist gut, wie du bist!

Es ist nicht erforderlich, dich selbst zu optimieren. Lerne dich kennen und schau, in welche Bereichen, du dich gerne weiter entwickeln möchtest.

Wege der Reflexion für eine gute Selbstfürsorge

Die Brandbreite der Möglichkeiten ist riesig. Zur Selbstfürsorge zählen auch ganz kleine Dinge aus den Bereichen Bewegung, Genuss, Natur und vieles mehr.

Anregungen zur Selbstreflexion:

Schreiben

Meine persönliche Lieblingsmethode, um mich selbst zu reflektieren und besser kennen zu lernen. Eine Technik nennt sich automatisches Schreiben. Dabei geht es darum ohne kritischen Zwischenfilter einfach drauf los zu schrieben, wie die Gedanken kommen. Dies ermöglicht einen Zugang zu unbewussten Themen.

Varianten um dich Schreibend besser kennen zu lernen habe ich im Beitrag „Schreib dich frei“ zusammen gestellt.

Gespräche

Momente, in denen Menschen sich selbst zuhören, erlebe ich immer wieder als magsich. Etwas laut auszusprechen ist sehr wirksam.

Im Gespräch mit anderen bekommst du interessante Fragen gestellt, die deine Gedanken in neue Richtungen lenken könnten. Zudem kann auch die Perspektive der anderen Person nützlich sein im Reflexionsprozess. Dies kann ein guter Freund oder Freundin sein, sowie ein Coaching oder eine Beratung, dazu am Ende mehr.

Beobachtungsaufgaben

Hier ist es wichtig den Fokus auf eine Verhaltensweise zu legen. Wenn du beispielsweise verstehen möchtest, wann du besonders gestresst oder erschöpft bist, nimm dir mindstens eine Woche Zeit für die Beobachtung. An welchen Tagen geht es dir so? An welchen ganz anders?

Worin bestehen die Unterschiede?
Gibt es bestimmte wiederkehrende Situationen, die etwas bei dir auslösen?

Eine Beobachtungsaufgabe im Verhalten könnte sein: Wann greifst du zu einer bestimmten Süßigkeit oder einem anderem Genussmittel?

Wenn du das Muster erkannt hast, kannst du es gezielter auflösen und durch andere Verhaltensweisen ersetzen. Ich sage nicht, dies sei einfach. Die Beobachtung kann ein erster Schritt hin zu einer Veränderung sein, die dir gut tut. Du entscheidest, was für dich problematisches Verhalten ist, niemand anderes.

Yoga

Auch wenn ich selbst kein Yoga praktiziere, schätze ich die Möglichkeit als eine wertvolle Ressource zur Selbstreflexion und als Möglichkeit der Selbstfürsorge für Körper und Geist. Yoga ist durchaus mehr als Bewegung.

Hier verweise ich gerne auf Rani Gindl als Expertin, die mich auch zu diesem Beitrag inspiriert hat.

Meditation und Kontemplation

Zur Ruhe kommen ist für mich der Innbegriff von Meditation. Je nach Meditationstechnik geht es darum, den eigenen Körper besser wahrzunehmen oder aber auch über ein bestimmtes Thema zu meditieren.

Kontemplation habe ich bei Monika Poth als Schwester der Meditation kennen gelernt. Sie spricht gerne von kontemplativer Selbstbefragung. Du gehst mit einer bestimmten Frage auf eine Reise in dein Inneres. Ich schätze die Erfahrung sehr mich von Monika durch den Prozess leiten zu lassen.

Es ist eine entspannte und wertvolle Möglichkeit, mehr über dich selbst zu erfahren.

Stärke deine innere Stabilität ~ Resilienz

Wie kommst du gut durch herausfordernde Zeiten? Was hat dir in vergangenen Situationen geholfen? Das ist deine persönliche Resilienz. Resilienz ist erlern- und trainingerbar.

Eine Empfehlung zum Thema Resilienz ist Martin Donath.

Lass dich durch den Reflexionsprozess von mir begleiten

Ausgehend von deinem Anliegen kann Systemsiche Beratung dir verschiedene Möglichkeiten anbieten: Einen Perspektivwechsel auf deine Ausgangssituation, Muster erkennen und verändern, falls gewünscht, an den eigenen Narrativen und Glaubenssätzen arbeiten und vieles mehr.

Meld dich bei mir, wenn du dich auf eine kreative Reise zu dir selbst mit meiner Begleitung begegben magst.

Selfcare Blogparade

Dieser Beitrag entstand im Rahmen der Blogparade „Selfcare“ von Rani Gindl. Zahlreiche Menschen haben bereits vor mir zu diesem Thema geschrieben und du findest hier sicherlich weitere wertvolle Anregungen für deine eigene Selbstfürsorge.

Das könnte dich auch interessieren

Meine Zeitreisegeschichte für Kinder ist ein Systemischer Roman Mentale und körperliche Gesundheit hängen eng zusammen