Da sind diese Gedanken in unserem Kopf, die immer wieder kehren. Manche sind fies: „Du bist nicht gut genug“ oder abwertende Zuschreibungen. Andere dagegen sind ermutigender. Manchmal sind diese Stimmen auch widersprüchlich, wir streiten uns geradezu mit uns selbst.

Wer Stimmen hört ist verrückt?

Stopp

Es gibt Halluzinationen, die zu den psychotischen Symptomen zählen. Dies sind Sinnestäuschungen. Menschen höre akustische Signale, die andere nicht hören können. Dies können unter anderem eben auch Stimmen sein, die Menschen hören. Entscheident ist, dass diese als absolut real empfunden werden, nicht als etwas, was im eigenen Inneren stattfindet.

Innere Stimmen oder Bilder

Wenn du Stimmen in dir hörst oder Bilder vor deinem inneren Auge siehst und du klar differenzieren kannst, dass diese nicht Teil der Realität sind, die du mit anderen teilst, sondern nur für dich wahrnehmbar, brauchst du dir keine Sorgen machen! 

Von der Belastung hin zum Teamwork

Darum soll es in diesem Beitrag gehen. Einmal hinzuhören und wahrzunehmen, was da in deinem Inneren los ist.

Lerne dein inneres Team kennen und schau mal, was du tun kannst, damit dieses in deinem Sinne zusammen arbeitet, miteinander, nicht gegeneinander.

Du hast das Kommando! Die Entscheidung liegt bei dir!

Inneres Team als Karten auf dem Boden ausgelegt

Text: Lerne dein inneres Team kennen

Kennenlernen der einzelnen Teammitglieder

Zuerst einmal schau, wer da alles ist.

Du findest im Internet viele Beiträge zum Thema „Inneres Team“, in denen du auch Vorschläge findest, wer da so alles zugehört. Vielleicht hast du auch schon vom inneren Kritiker oder inneren Kind gehört, worauf Stefanie Stahl sich konzentriert.

Geh bitte völlig frei in diese Übung. Genau wie jede Firma, teilweise auch einzelne Abteilungen, ihre Teams unterschiedlich zusammen stellen, hast auch du ein ganz individuelles Team.

Beginne bei den typischen Sätzen

Welche Gedanken tauchen in deinem Kopf immer wieder auf?

Das können Zuschreibungen sein, motivierende Sätze oder auch Emotionen.

Spür mal hin. Was ist das für ein Anteil von dir? Wie magst du diesen benennen?

Dafür gibt es keine Regeln, entscheidend ist, dass du mit dem Begriff oder Namen etwas verbindest.

Wenn du einen Anteil gefunden hast, empfehle ich diesen aufzuschreiben. Du kannst erst einmal eine Liste anlegen oder du schreibst direkt mehrere Zettel, für jeden Anteil einen eigenen. Wenn du magst, mal ein Symbol dazu oder skizziere auch gleich die ganze Figur. Dir steht frei, sie so weit auszugestaltet wie es für dich stimmig und hilfreich ist. Aussehen (innere Anteile müssen nicht menschlich sein, können auch diverse Geschlechter haben, Charaktereigentschaften, typische Sätze, …)

Du kannst das auch nach und nach weiter ausbauen. Es genügt völlig, erst einmal nur die Anteile zu benennen, die dir in den Sinn kommen.

Wenn du einen gefunden hast, frag dich: Wer ist da noch?

Auch hier gibt es keine Regel, wie viele Anteile du finden solltest. Spür einfach mal nach, schau, was dir in den Sinn kommt.

Wenn dir nichts mehr einfällt, dann passt es für den Moment.

Stell dein Team auf

Wenn du deine inneren Anteile benannt und auf Zettelchen geschrieben hast, such dir einen Platz im Raum und leg sie aus. Nutze ausreichend Platz, dass du dich gut im Raum bewegen kannst.

Du kannst auch Objekte dafür nutzen, die symbolisch für die Anteile stehen, aber lass es uns zunächst einfach halten.

Es gibt hierfür auch keine strengen Regeln, folge deiner Intuition. Wie stehen diese Anteile zueinander? Wer liegt näher beisammen? Wer ist weiter entfernt?  Wer befindet  sich im Konflikt miteinander?

Schau dir dein Bild aus verschiedenen Perspektiven an.

Teamvorstellung

Gehe nun durch den Raum zu deinen einzelnen Anteilen, sprich aus der jeweiligen „Ich-Perspektive“ und stelle sie vor: „Ich bin …“. Was hat dieser Anteil zu sagen? Möglicherweise passt es genau zu dem, was du dir bereits überlegt hast. Vielleicht kommt aber auch noch etwas Neues.

Wenn du magst, kannst du den Anteilen weitere Fragen stellen:

  • Was ist deine Rolle im Team?
  • Wie fühlst du dich in diesem Team?
  • Wie lange bist du schon mit dabei?
  • Was ärgert dich?
  • Was macht dich glücklich?
  • Mit wem arbeitest du gerne zusammen?
  • Was fehlt dir?
  • Was brauchst du?
  • Was ist deine Mission/ deine Botschaft/ dein Wunsch/ dein Ziel?
  • …

Führungsrolle

Platziere eine weitere Karte im Raum, die für dein ICH. Wie ich eingangs bereits sagte, hast du das Kommando und die Entscheidung liegt bei dir.

Ebenso liegt auch bei dir, die Entscheidung über die Art deiner Führungspersönlichkeit.

Wenn du die Karte hingelegt hast, stell dich mal auf diese Position und schau dir dein Team an.

  • Wer hat hier gerade tatsächlich das Sagen?
  • Liegt die Verantwortung bei dir?
  • Wer ist sehr präsent und durchsetzungsstark?
  • Wer wird übersehen und braucht Bestärkung?
  • Wo gibt es Konflikte?
  • Wer fehlt noch?

Kündigen?

Oft haben Menschen das Bedürfnis einzelne Teammitglieder raus zu werfen.

Das Entlassen einzelner Teammitglieder ist nicht so einfach. Sie sind ein Teil von uns.

Wir können mit ihnen in den Dialog gehen. Hinterfrage die Bedeutung ihrer Botschaft. Oft handeln sie in guter Absicht, zum Beispiel um zu beschützen oder auch aus einer alten Aufgabe heraus, die einmal nützlich war.

Aufgaben können neu ausgehandelt werden.

Unter welchen Bedingungen kann dieser Anteil weiterhin Teil des Teams bleiben?

Neu einstellen?

Möglicherweise hast du auch einen Posten noch zu vergeben.

Diese Übung habe ich mal mit einer Klientin gemacht und sie eine Stellenausschreibung entwickeln lassen. Auch das war sehr spannend, um heraus zu finden, was sie gerade braucht.

Vielleicht ist auch diese Varaiante für dich nützlich.

Veränderungen ermöglichen

Zettelchen auf dem Boden lassen sich leicht verschieben, dein Innenleben nicht.

Es geht um schrittweise Veränderungen. Und hier hast du verschiedene Möglichkeiten, etwas anzustossen.

Du kannst bei jedem einzelnen Anteil ansetzen. Die Fragen oben, sind dazu bereits eine Anregung.

Was bruchst du gerade? Was braucht dein Team?

Das sind die zentralen Fragen.

Konkrete Teamaufgabe

Betrachte dein Team vielleicht unter einem konkreten Gesichtspunkt. Das kann etwas aus deinem privaten Alltag sein, etwas berufliches oder auch etwas Soziales.

In welchem Lebensbereich empfindest du gerade einen Schmerzpunkt und wünschst dir eine Veränderung? Je konkreter dein Anliegen, desto klarer kannst du damit auf dein Team schauen.

  • Wer kann hier welche Aufgabe übernehmen?
  • Gibt es möglicherweise unterschiedliche Meinungen zu dem Thema?
    • Können diese nebeneinander bestehen bleiben?
    • Lass eine Diskussion zu, hör genauer hin, ohne dich in der Diskussion zu verlieren. Wenn sich die Argumente anfangen zu widerholen, sage laut „Stopp“ und schau in eine neue Richtung.
    • Welche Aspekte sind wertvoll und wichtig? Was nimmst du davon an?
    • Die Entscheidung liegt letztendlich bei dir!
    • Was brauchen die Anteile, um die Entscheidung mit zu tragen?
  • Was fehlt?
  • Was braucht dein Team?
  • Was brauchst du?

Ein Werkzeug, viele Möglichkeiten

Ich habe das Innere Team selbst erlebt und in verschiedenen Beratungssitzungen eingesetzt. Dabei gab es niemals eine exakte Wiederholung. Es ist ein höchst individueller Prozess und daher kann auch dieser Beitrag nur eine Anregung sein, keine exakte Anleitung.

Fühle dich frei, den Prozess auszugestalten, so wie es für dich hilfreich ist.

Wenn du dein Team auf Karten geschrieben hast, behalte sie. Du kannst sie jederzeit wieder rausholen, neu auslegen und mit deinem Team arbeiten.

Ärgere dich nicht, falls du damit nicht zurecht kommst. Gerne begleite ich dich durch den Prozess, dein Team kennen zu lernen. Das können wir sowohl persönlich in Bonn oder auch online machen.

Weitere Beiträge zum Inneren Team

Quelle

Das Innere Team wurde von Schulz von Thun entwickelt und wird hier in einer völlig freien Variante dargestellt. Genau das schätze ich an systemischen Methoden, sie als Anregung zu nutzen, um sie mir dann zu eigen zu machen und so anzupassen, dass sie für meine Klient*innen nützlich sind und zu meiner Arbeitsweise passen.

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