Es war einmal …
Mensch ging zum Hausarzt, ging zum Facharzt, kam zurück, wurde woanders hingeschickt und schließlich stellte der Hausarzt fest: „Medizinisch kann nichts gefunden werden, muss die Psyche sein.“
Ich hoffe zumindest, dass diese Praxis endgültig der Vergangenheit angehört.
Wenn körperlich nichts zu finden ist, dann ist es wohl psychosomatisch …
Was dieses Vorgehen mit Menschen macht, darüber will ich mich in diesem Beitrag nicht auslassen. Es geht mir mehr um die Verbindung von mentaler und körperlicher Gesundheit, denn beides hängt eng zusammen.
Während in Hausarztpraxen die Psyche mitgedacht wird, wird in der Regel bei einem Besuch in einer Psychotherapie-Praxis ebenfalls eine parallele medizinische Abklärung erbeten.
Es gibt kein klares entweder Psyche oder Körper, häufig ist es ein sowohl als auch.
Eine persönliche Erfahrung
Nachdem ich neulich erst einen Beitrag über Selbsfürsorge geschrieben habe, bin ich über meine eigenen Grenzen der Belastbarkeit gegangen und krank geworden.
Vor ein paar Wochen spürte ich, dass es zu viel ist, was ich tue, das würde nicht gut gehen, dachte ich. Etwas zu verändern fiel mir schwer, weil ich so viel Spaß an meinem Tun hatte … Es war also nicht einfach nerviger Stress, der mich belastet hätte. Allerdings ein Mangel an Ausgleich und Erholung.
Wenn ich nicht freiwillig weniger mache, sorgt mein Körper für mich und zwingt mich zur Auszeit.
Körperlich krank durch Belastung ist nur eine Variante, eine die dir möglicherweise vertraut ist. Das Wissen allein schützt uns nicht davor, dass wir gesund bleiben. Dazu müssen wir aktiv handeln.
Wir dürfen achtsam sein auf unsere eigenen Warnsignale, wann es zu viel wird und dann auch entsprechend handeln. Was brauchen wir dann, um wieder aufzutanken und wie können wir im Gleichgewicht bleiben?
Das ist übrigens auch Thema meines „After Work“ Angebotes, Instpriation und Austausch. Komm gerne mal dazu an einem Freitag Nachmittag von 15 bis 15:30 Uhr.
Ein System, zahlreiche Symptome
Wir Menschen sind komplexe Wesen. Jahrundertelang wurde in der Philosphie über das Leib-Seele Problem diskutiert und wirklich abgeschlossen ist die Debatte nicht. Wo sitzt sie die Seele? Ist die Psyche dasselbe wie die Seele oder haben wir Körper, Psyche und Seele?
Ich bin Psychologin, kein „Seelendoktor“. Wo die Seele im Körper „wohnt“, kann ich dir nicht sagen. Was allerdings wissenschaftlich klar belegt ist, dass körperliche Prozesse einen Einfluss auf unsere Psyche haben.
Zunächst einmal zwei Definitionen:
Psychologie ist die Wissenschaft des menschlichen Erlebens und Verhaltens. Es geht darum diese Prozesse zu beschreiben, zu erklären und vorherzusagen.
“Psychische Gesundheit ist ein Zustand des geistigen Wohlbefindens“, so beginnt die Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO).
Wie wirken Psyche und Körper zusammen?
Wir nehmen unsere Welt durch unsere Sinne wahr, Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tastsinn. Wir interagieren durch unseren Körper mit der Welt.
Neuronale Prozesse im Gehirn und gesamten neurologischen System sind essentiell für unser Verhalten und unsere Emotionen. Eine weitere zentrale Rolle spielt unser endokrinologisches System. Auch wenn noch immer der Einfluss von Hormonen auf weibliches Verhalten belächelt wird, haben auch bei Männern Hormone einen starken Einfluss auf ihre Emotionen und ihr Verhalten. Es geht dabei um mehr als Aggression.
Unser körperliches System ist komplex und faszinierend. Auch wenn uns die Einordnung in zahlreiche Facharztbereiche möglicherweise die Illusion bietet, man könne Augen, Zähne und das Herz vollkommen unabhängig betrachten, braucht es neben spezifischer fachlicher Expertise immer auch einen ganzheitlichen Blick auf das komplexe menschliche System, wenn wir verstehen wollen, was das einzelne Individuum braucht, um zurück ins Wolbefinden zu kommen, welches die WHO als Gesundheit definiert.
Krankheiten, die sich gegenseitig bedingen
Der Körper ist also ein Teil der Psyche, weil diese nicht unabhängig vom Körper existiert. Wir leben in unserem Körper.
Neben dem ganzheitlichen Denken ist die Differentialdiagnostik ein hilfreiches Instrument der Medizin und Psychologie. Eine eindeutige Diagnose, eventuell auch mehrere, kann dazu beitragen einen hilfreichen Behandlungsplan aufzustellen. Dieser kann durchaus auch interdisziplinär erfolgen. Dann ist die Diagnose hilfreich für die Kommunikation. Und Diagnosen dürfen immer wieder geprüft werden, ob sie stimmig sind und ob sie noch gültig sind.
Es gibt zahlreiche Studien, die belegen, dass körperliche Erkrankungen mit einem erhöhten Risiko für eine psychische Erkrankung einher gehen. Parkinson, Schilddrüsenunterfunktion, Autoimmunerkrankungen und einige Krebsarten stehen beispielsweise im Zusammenhang mit Depression.
Ängste, Stressbelastungen oder Depression können beispielsweise einen Einfluss auf das Herz-Kreislauf- oder Verdauungssystem haben. Angststörungen und Depressionen treten ebenfalls nicht selten gemeinsam auf. Beide können sowohl Folge als auch Ursache für eine Suchterkrankung sein.
Daher ist es in meinem Augen wichtig, die körperliche und mentale Gesundheit gemeinsam zu denken und zu betrachten.
Ein äußerst unspesifisches Symptom ist übrigens Müdigkeit. Dieses kann auf körperliche und psychische Probleme hinweisen. Im Beitrag „Kann ich wegen Müdigkeit zum Arzt gehen?“ berichte ich von einem positiven Beispiel eines ganzheitlich vorgehenden Hausarztes.
Psychosomatik
Psychosomatik ist also keine Restkategorie, wenn alles andere ausgeschlossen wurde?
Psychosomatik befasst sich mit der Wechselwirkung zwischen Psyche und Körper. Zu diesem Thema habe ich bereits geschrieben, inklusive einer Buchempfehlung.
Was mir an dieser Stelle noch einmal wichtig ist: Körperliche Symptome sind absolut real, auch wenn keine medizinische Ursache für diese gefunden wird.
Symptome Ernst nehmen
Ich hatte einmal einen Facharzt, der mir eine zuvor gestellte Diagnose entzog und mich mit folgenden sinnegmäßen Worten verabschiedete: „Ich glaube ihnen Ihre Schmerzen. Alles, was ich Ihnen sagen kann ist, dass diese keine medizinische Ursache haben, für das andere sind Sie die Expertin.“ Inzwischen habe ich keine Diagnose mehr, bin frei von den Medikamenten und die Symptome bin ich ebenfalls los. Die Schmerzen waren real und es war hilfreich für mich, dass diese von einem Facharzt ernst genommen wurde.
Das wünsche ich dir auch, dass du ernst genommen wirst, mit dem, was für dich gerade Leid bedeutet. Ich bitte dich, fang mir dir selbst an. Nimm dich selbst ernst. Welche Signale dein Körper dir auch gerade sendet, sie zu ignorieren ist selten eine gute Idee.
Wir können kurzzeitig über unsere Grenzen gehen. Wir können über einen kurzen Zeitraum mehr leisten, mal weniger schlafen, um zu feiern, oder anderes tun … Danach brauchen wir Erholung.
Wir können auch trainieren und unsere Grenzen erweitern. Das ist ein Grundprinzip von Sport. Auch das hat Grenzen. Lerne deine persönlichen Grenzen kennen, teste sie aus und wahre sie für deine eigene Gesundheit, körperlich und mental.
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