Im letzten Beitrag ging es darum, Hindernisse zu erkennen. Diesmal befassen wir uns mit der Frage, was wir mit dem Hindernis tun können.
Es folgen zahlreiche Anregungen. Schau mal, welche zu deinem konkreten Hindernis und zu dir passen. Kontext und Person sind hier natürlich relevante Variablen, die ich in meiner Beratung mitdenken kann, beim Schreiben des Beitrages sind sie für mich unbekannt.
Um-gehen
Starten wir doch mal, mit der Möglichkeit, die bereits im Titel steckt. Wie kannst du mit dem Hindernis umgehen? Wie kannst du das Hindernis, Hindernis sein lassen und drum herum gehen?
Welche anderen Wege gibt es? Hilfreich hierbei könnte sein, ein wenig in der Wahrnehmung raus zu zoomen. Siehst du mehr als das Hindernis?
Gibt es nur diesen einen engen Weg in Richtung Ziel? Oder ist da noch mehr? Gibt es einen Umweg, alternative Wege?
Mitten durch
Wechseln wir mal zum Gegenteil, statt das Hindernis zu umgehen. Wie wäre es, wenn du mitten durch gehst?
Was brauchst du dafür, um dich beispielsweise nicht zu verbrennen oder anderweitig zu verletzten?
Abbauen
Falld dir das Hindernis zu groß erscheint, wie kannst du es kleiner machen?
Stell dir mal vor, du könntest das Hindernis teilweise oder vollständig abbauen?
Welche Werkzeuge oder Superkräfte bräuchtest du dafür? Wer könnte dir dabei helfen?
Umbauen – verändern
Vielleicht gelingt es nicht, das Hindernis abzubauen. Wie könntest du es verändern? Was würde es weniger bedrohlich machen? Was würde aus dem Hindernis etwas anderes als ein Hindernis machen?
Eine Brücke bauen oder einen Tunnel graben
Wo wir beim Thema bauen sind: Wie wäre es, wenn du nicht das Hindernis direkt veränderst, sondern die Umgebung? Wie könntest du eine Brücke darüber bauen oder einen Tunnel darunter graben?
In meinen MHFA-Ersthelfer-Kursen spreche ich immer davon, dass die Teilnehmenden für ihre Mitmenschen zu Brückenbauenden ins Hilfesystem werden. Bist du auch eine Brückenbauerin für andere? Dann kannst du das vielleicht auch für dich selbst sein. Kennst du andere Brückenbauende, bitte sie um Unterstützung.
Unterstützung finden oder annehmen
Den letzten Aspekt möchte ich noch einmal betonen:
Wen könntest du um Unterstützung bitten? Wer bietet dir bereits welche an und was brauchst du, um diese annehmen zu können?
Eine Leiter bauen
Falls sich auf deinem Weg tiefe Löcher befinden, in die du stürzen könntest, wie kannst du dich vor dem Absturz bewahren?
Kannst du eine Art Seil mitnehmen, mit dem du dich wieder befreien könntest? Was könnte das sein?
Und falls du doch hineinfällst, wie kommst du wieder heraus? Woraus kannst du eine Leiter bauen?
Falls dein Hindernis aus Löchern besteht, wie könntest du diese füllen oder eine Absturzsicherung bauen?
Sprich mit dir selbst
Bist du selbst dein Hindernis? Stehst du dir gerade selbst im Weg?
Geh mit dir ins Gespräch. Laut und schonungslos. Stell dir Fragen und antworte dir.
Was musst du hören? Was ist das Losungswort im Sinne alter Märchen?
Auflösen und erkennen, dass es kein Hindernis ist
Im Beitrag zum Erkennen von Hindernissen, schrieb ich bereits, dass es manchmal ausreicht, das Hindernis wahrzunehmen. Dies kann sowohl dazu führen, dass dir klar wird, was dein nächster Schritt ist. Es kann auch dazu führen, dass sich das Hindernis auflöst und du feststellst, dass es gar kein Hindernis ist.
Falls das nicht direkt passiert, schau es dir nochmal genauer an.
Worin genau besteht hier das Hindernis? Inwiefern blockiert es deinen Weg? Gibt es wirklich ein Problem? Ein Problem ist etwas, was wir als solches definieren, gleiches gilt auch für Hindernisse.
Falls das, womit du dich gerade beschäftigst kein Hindernis, wäre, was könnte es dann sein?
Hindernis als Chance oder Herausforderung
Wie wäre es, wenn das Hindernis eine Chance oder eine Herausforderung wäre?
Welche Belohnung könnte dich erwarten? Inwiefern könntest du gestärkt aus deinem Abenteuer hevor gehen, welches vor dir liegt?
Ehrenwerte Hindernisse
Es gibt eine systemische Methode, die nennt sich Problem-Ziel-Aufstellung. In dieser spielen auch Hindernisse eine Rolle. Sie werden als „ehrenwerte Hindernisse“ bezeichnet. Darin verbrigt sich die Annahme, dass diese eben nicht bloss die Funktion haben, dir im Weg zu stehen.
Falls dein Hindernis für etwas gut wäre, was könnte das sein?
Notfallplan
Falls du eine Idee hast, wie du mit deinem Hindernis umgehen könntest, aber Angst hast. Welchen Notfallplan kannst du aufstellen?
Gehe hierfür nochmal alle Varianten durch. Könnte es einen Plan B geben?
Welche Ressourcen hast du zur Verfügung? Persönliche und externe Ressourcen, in Form von finanziellen Mitteln oder anderen Menschen.
Zwei kreative Anregungen aus #KometsSchreibzeit
Als ich erzählte, dass ich diesen Beitrag heute schreibe, kamen direkt zwei wertvolle Ideen:
Schranke hoch
Mach die Schranke einfach hoch und geh hindurch.
Warte ab, bis der Zug durchgefahren ist, dann geht die Schranke wieder auf.
Lös das Ticket und verlasse den Parkplatz, sobald die Schranke sich öffnet.
Welche Schranken kennst du noch?
Maut bezahlen
Auf Autobahnen muss in einigen Ländern eine Maut bezahlt werden.
Worin besteht deine persönliche Maut, um das Hindernis passieren zu dürfen?
Vielleicht ist es auch keine Maut, sondern eine Grenzkontrolle. Welchen „Ausweis“ müsstest du vorweisen.
Wer sitzt da eigentlich in dem Kontrollhäuschen? Bist das möglicherweise du selbst?
Welche Metaphern fallen dir noch ein?
An welche Art von Hindernis erinnert dich deines?
Wenn es keine Schranke, Mautstelle oder eines der genannten Hindernisse ist, was dann?
Und was ist die passende Strategie für ein solches Hindernis?
Aus der Klarheit über das Hindernis, ergibt sich möglicherweise direkt die Lösung. Eine passende Metapher kann helfen, eine neue Idee zu finden.
Akzeptanz – behalte das Hindernis
Es gibt Umstände im Leben, die können wir nicht ändern.
Was wir ändern können, ist unsere Haltung gegenüber dem Hindernis. Wir können es annehmen, akzeptieren, dass es ein Teil von uns ist.
Ich denke hierbei beispielsweise an eine unheilbare Erkrankung. Palliativmedizin bedeutet sich um Lebensqualität zu bemühen, ein Leben mit der Erkrankung zu ermöglichen und das Leiden zu minimieren.
Auch hier rege ich nochmal dazu an, das Hindernis als solches zu hinterfragen. Welche Bezeichnung kannst diesem noch geben?
Und es muss nicht immer die Frage sein: Wofür ist es gut? Es kann beides sein, muss es aber nicht!
Falls du das Hindernis als das bezeichnest was es ist, in meinem Beispiel als Krankheit, welchen Unterschied macht das für dich?
Wenn du es als Fluch, Schicksal, Mein XY bezeichnest, was verändert sich? Welche Begriffe fallen dir noch ein? Und welcher passt für dich, um zu akzeptieren, dass es da ist?
Ist es tatsächlich ein Teil von dir, oder eher ein Teil deines Wegen? Auch diese Perspektive macht einen Unterschied. Dafür gibt es keine Regel, du entscheidest.
Die Lösung liegt in dir!
Du hast schon viel ausprobiert. Vielleicht auch zu anderen Themen. Was funktioniert gut für dich?
Ich werde nicht müde auf Ressourcen zu schauen und mit Menschen auf ihre persönliche Schatzsuche zu gehen.
Von all dem nützlichen und hilfreichen – mach mehr davon!
Was sind deine Erfolgsstrategien im Umgang mit Hindernissen?
Falls du welche kennst, die im Beitrag noch nicht erwähnt sind, schreib sie unbedingt in die Kommentare, so klein, die Idee auch sein mag. Je kleiner, desto besser, denn dann ist es auch umsetzbar.
Perspektivwechsel zum Schluss
Und wenn du zurück schaust, aus der Idee heraus, du hättest das Ziel erreicht, wie fühlt sich das Hindernis aus dieser Perspektive an?
Auf einer Skala von 1 bis 10, wie unüberwindbar erscheint es dir? Welche Ideen kommen dir noch, wie du mit diesem Hindernis um-gehen könntest.
Du kannst dich natürlich jederzeit bei mir melden, wenn ich dich ein Stück auf deinem Weg begleiten darf. Lies mehr über meine Beratung an deiner Wegkreuzung.
Falls du jetzt noch etwas mehr brauchst, empfehle ich dir meinen Beitrag über die Weg-Metapher oder den Beitrag zum Thema Motivaton.
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