Du fühlst die mies, verunsichert und ziehst dich lieber zurück.
Was ist passiert?
Vielleicht bist du in ein metaphorisches Loch gestürzt. Möglicherweise ist auch etwas völlig anderes passiert.
Falls es das Loch ist, stellen sich jetzt zwei Fragen:
- Wie kommst du wieder heraus?
- Wie kannst du verhindert wieder hinab zu stürzen?
Check – Wo bist du gerade?
Schau dich mal um. Was nimmst du wahr?
Ist es eng um dich herum oder kannst du weit blicken?
Ist da mehr als dieses eine Thema, das dich gerade beschäftigt und dich mies fühlen lässt?
Wie weit hast du dich vor anderen zurück gezogen? Bist du für andere erreichbar, ansprechbar? Oder versteckst du dich eher vor ihnen?
Erkunde deinen Zustand in verschiedene Richtungen mit allen Sinnen:
Was siehst du?
Was fühlst du?
Was schmeckst, riechst, hörst du?
Und lausche dabei nach innen, welche Sätze sagst du dir gerade immer wieder selbst?
Von Gruben, die wir uns selbst graben
Kennst du diesen Zustand, in dem du dich gerade befindest?
Wir Menschen sind Gewohnheitstiere und neigen dazu, einen vertrauten Zustand selbst immer wieder herzustellen, auch wenn dies nicht unbedingt ein erwünschter Zustand ist.
In einer Grube fühlen wir uns manchmal sicherer, als glücklich auf einer Blumenwiese, wenn dies kein vertrauter Zustand ist. Falls das auf dich zutrifft, sei bitte liebevoll mit dir selbst. Dein System hat gute Gründe, dir immer mal wieder Gruben zu graben, in denen du dich sicher fühlen kannst.
Möglicherweise geht es auch um ein anderes Bedürfnis, das sich in dem aktuellen Zustand erfüllt, so mies es sich auch anfühlen mag.
Ein weiterer Faktor ist das Vorwegnehmen der Katastrophe. Um zu vermeiden, verletzt zu werden, gehen wir davon aus, wie es enden wird. Die Handlungen von anderen werden in weiter Voraussicht angenommen und das eigene Verhalten an dieses angepasst. Dies alles basiert auf Erfahrungen.
Falls du so vorgehst, gilt es dies liebevoll als Schutzstrategie zu würdigen. Der Haken daran ist, dass es dir die Chance nimmt, neue positive Erfahrungen zu machen. Fühle dich nicht ertappt, sondern lass dir sagen, damit bist du absolut nicht alleine.
Es geht nicht um Schuld!
Niemand möchte sich freiwillig mies fühlen, davon bin ich überzeugt und mit meinen Fragen, möchte ich dir auch keineswegs nahelegen, dass du Schuld an deinem Zustand bist.
Mir geht es darum, ein mögliches Muster aufzudecken und dir in die Handlungsfähigkeit zu verhelfen!
Check 2 – wozu ist der aktuelle Zustand möglicherweise nützlich?
Welche guten Gründe haben dich hierher geführt?
Schau dich hierzu noch einmal um. Auch wenn du dich gerade mies fühlst, was ist an dem Zustand vielleicht gar nicht so schlecht?
Gibt es etwas, was du dir gerade erspart bleibt?
Welche Nebeneffekte gibt es, die vielleicht auch willkommen sind?
Was möchtest du noch – außer, dich weniger mies fühlen?
Wenn du in einem tiefen Loch bist, gibt es mindestens zwei Materialien, aus denen du dir eine Leiter basteln kannst:
- deine persönlichen Ressourcen
- deine Wünsche
Du hast eben geschaut, welche guten Gründe es für dich geben kann, an diesem Ort zu sein, vielleicht auch zu bleiben.
Welche Wünsche hast du, um hier wieder weg zu kommen?
Was möchtest du im positiven Sinne haben?
Statt ich möchte mich nicht mehr so mies fühlen, besser: „Ich möchte mich frei/ fröhlich/ entspannt/ …/fühlen.“
Je konkreter du deine Wünsche formulierst, desto klarer arbeitet sich die Sprosse deiner Leiter heraus. Manchmal entsteht aus einem einzigen Wunsch auch ein Seil, dass dich wieder heraus ziehen kann.
Wo geht es jetzt wieder raus?
Der sprichwörtliche Prinz auf dem weißen Pferd wird nicht kommen, um dich zu retten.
Vielleicht gibt es bereits Menschen, die für dich da sind, die dich begleiten, dir helfen möchten. Lass es zu! Du musst nicht alles alleine machen.
Du darfst auch im Hilfe bitten!
Was wenig hilfreich ist, im Loch sitzen zu bleiben und auf ein Wunder zu hoffen.
Sei dein eigenes Wunder, finde in deine Handlungsfähigkeit zurück. Es kann weh tun, schwierig und anstrengend sein. Es lohnt sich!
Der Zustand in dem du bist, mag Vorteile haben, aber es geht dir gerade nicht gut damit. Du wünschst dir eine Veränderung, sonst hättest du längst aufgehört zu lesen, oder?
Also schau auf deine Liste der Wünsche. Was könnte ein erster Schritt sein, einen dieser Wünsche zu erfüllen? Ein kleiner erster Schritt genügt.
Falls dir das schwer fällt, kannst du auch mit der Wunderfrage arbeiten, dir vorstellen, wie dein Leben außerhalb dieser Grube aussehen könnte.
Verknüpfe diese mit deinen Ressourcen, mit all deinen Fähigkeiten, die du in dir hast, all deinen Stärken. Zu Ressourcen habe ich bereits viel geschrieben, zum Beispiel in der Zeitreise zum Problemlösen, die du vielleicht machen kannst, falls du dazu gerade gar keine Idee hast.
Mobilisiere all das, was da ist und finde deinen persönlichen Weg aus dem Tief. Das ist ein Kraftakt und das ist okay!
Wie verhinderst du weiter Abstürze?
Du hast dir bereits ein gutes Bild von dem „Ort“ gemacht, in den du gestürzt bist.
Es geht erneut nicht um die Schuldfrage! Das ist mir sehr wichtig!
Was ist dir an diesem Zustand vertraut?
Welche Gedankenmuster kennst du gut?
Beispiele: „Das wird eh nicht klappen!“ „Die anderen finden mich doch eh …“
Welche Verhaltensweisen haben dazu beigetragen, dass du in das Loch gestürzt bist?
Und das möglicherweise aus gutem Grund! Du kennst es vielleicht nicht anders, bist in eine vertraute Falle getappt.
Diese Fragen sind nicht leicht anzuschauen.
Wenn es dir gelingt dies aus einer Perspektive außerhalb des Loches zu tun, erkennst du die Fallen. Manche dieser Fallen liegen in dir, in deinen Denk- und Verhaltensmustern, die du dir angeeignet hast.
Das ist kein Fehler, sondern absolut menschnlich. Es gibt gute Gründe dafür. Es war die bestmögliche Strategie in der Vergangenheit.
Jetzt gilt es neue Verhaltensweisen auszurpobieren.
Hierzu brauchst du zwei Informationen, die du miteinander verknüpfen kannst:
- Was sind mögliche Warnzeichen für eine Falle, um in ein Loch zu stürzen?
- Was könnten alternative Handlungsmöglichkeiten sein, die du gerne ausprobieren möchtest?
Wichtig dabei ist, Handlungsmöglichkeiten zu finden, die du ausprobieren kannst. Naheliegend ist oft zu sagen, wenn eine andere Person etwas tun oder lassen würde, könnte uns das helfen. Darum kannst du bitten und ein klärendes Gespräch suchen. Einfluss hast du auf dein eigenes Verhalten und deine Einstellung. Diese könnte widerum eine Wirkung auf dein Umfeld haben.
Formuliere für dich einen Wenn – Dann – Satz als Handlungsmöglichkeit.
Verhaltensmuster werden oft automatisch aktiviert, also sei liebevoll mit dir selbst, wenn du erneut stürzt. Du kennst den Weg aus dem Loch hinaus, du wirst es wieder schaffen.
Der Spruch „Aufstehen – Krönchen richten – Weitergehen“ ist gar nicht so falsch.
Ich empfehle ihn zu ergänzen durch „inne halten, reflektieren und die Handlungsmöglichkeiten erweitern“.
Du musst diesen Weg nicht alleine gehen
Wenn du magst können wir dies auch gemeinsam tun. Melde dich bei mir.
Ich habe viel Erfahrung, sowohl mit löchrigen Wegen, als auch in der Wegbegleitung.
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