Ich weiss, es wäre gut für mich, aber ich kann nicht …
Wenn wir einmal dabei sind, wird es plötzlich leicht, aber anfangen, sich überwinden kann so schwierig sein.
Mach es dir leichter, so weit dies möglich ist.
Und quäl dich nicht mit Sprüchen! Wenn sie mehr provozieren als hilfreich zu sein. „Mach doch einfach“, „Überwinde den innen Schweinehund“ oder „Geh aus deiner Komfortzone“. Wenn uns das leicht fallen würde, gäbe es diese Sätze nicht 😉
Schau dir die Ambivalenz genauer an
Es gibt zahlreiche Argumente, die dafür sprechen, dass du genau das tust.
Gleichzeitig hast du sicherlich auch gute Gründe, es nicht zu tun.
Nehmen wir mal das Beispiel Sport:
Dafür spricht beispielsweise:
- es tut deinem Körper gut
- du schläfst besser
- füge zahlreiche weitere Gesundheitsargumente an
- deine Figur wird sportlicher, definierter, fitter, attraktiver, …
- Während des Sports werden Hormone ausgeschütett, die wiederum der mentalen Gesundheit gut tun
- dann gibt es noch eine Reihe individueller Gründe
- es macht Spaß
- du kannst Teil eines Teams sein oder andere soziale Kontakte pflegen oder aktive Zeit mit dir selbst verbringen (je nach Aktivität)
- du findest bestimmt weitere „gute Gründe“, warum es eine gute Idee wäre, Sport zu machen
Dann haben wir die Gegenargumente
- Anstrengend
- kostet Zeit
- eventuell kostet es Geld
- du musst erst einmal hinkommen
- Muskelkater
- je nach Aktivität ist das Verletzungsrisiko unterschiedlich hoch
- Schamgefühl (wegen der Figur oder weil du noch nicht so gut bist, wie andere …)
- es passt nicht in deinen Alltag
- gerade sind andere Themen wichtiger, um die du dich kümmerst
- möglicherweise hast du auch ganz andere individuelle Gegenargumente …
Neben den rationalen Argumenten gibt es auch noch eine Reihe von Emotionen. Glücksgefühle, Freude und auch Scham habe ich bereits in den Beispielen benannt.
Vielleicht geht es dir gerade nicht um Sport.
Was sind deine Emotionen und Argumente?
Jede Emotion hat seine Berechtigung. Sie einfach wegdrücken und sich überwinden, ist eben nicht einfach und auch nicht unbedingt hilfreich, denn sie arbeiten innerlich weiter gegen dich.
Ambivalenzwippe – Auseinandersetzung mit den Argumenten
Dies ist wieder mal eine Übung im Raum. Schreib deine Argumente mal auf kleine Zettel.
Jetzt legst du eine Markierung auf den Boden, ein Seil oder auch einen Besenstiel. So dass du zwei klar getrennte Seiten hast.
Die eine Seite steht für, es bleibt alles wie es ist. Hier ist Platz für deine Gegenargumente. Die andere Seite steht für die Veränderung, beispielsweise mit dem Sport anzufangen und regelmäßig zu machen.
Sobald du alles geschrieben und verteilt hast, stell dich mal in den Bereich für das „Bewahren“. Alles bleibt wie es ist, du brauchst nichts neues tun. Dies ist die berühmte „Komfortzone“.
- Ist das eine „Komfortzone“ für dich?
- Wie fühlst du dich hier?
- Wie fühlt es sich an, wenn du dir erlaubst alles beim alten zu lassen, wenn du keine Veränderung angehst?
Die Emotionen können unterschiedlich sein. Lass sie zu, spüre mal hin, ohne zu bewerten.
Lass es einfach mal wirken, bis du so weit bist.
Dann gehst du auf die andere Seite. Die Seite der Veränderung.
Stell dir mal einen Moment vor, nachdem du die Entscheidung getroffen und bereits umgesetzt hast.
- Wie fühlt sich das für dich an?
Auch hier können sehr verschiedene Emotionen auftauchen. Lass alles zu.
Wenn du so weit bist, tritt aus diesem Bereich heraus und stell dich mal so hin, dass du außerhalb dessen stehst, was du da aufgebaut hast.
- Wie betrachtest du das Thema von außen?
- Wo zieht es dich eher hin?
Folge dem Impuls. Stell dich noch einmal hinein. Fühle.
- Welche Emotionen und Gedanken kommen dir?
Du kannst mehrfach zwischen den Seiten und der Außenperspektive wechseln. Wenn keine neuen Informationen mehr kommen, halte inne.
Was möchtest du?
Wenn du alle Informationen betrachtest, möchtest du eher die Veränderung oder den Status Quo bewahren?
Beides kann eine gute Entscheidung für den Moment sein, auch beim Thema Sport.
Es ist deine Entscheidung für Jetzt.
In ein paar Wochen oder Monaten darfst du auch anders entscheiden, sofern die Möglichkeit besteht.
Manchmal geht es um „einmalige Chancen“. Nicht immer sind sie wirklich einmalig, aber es gibt einen äußeren Druck, ein Angebot bis zu einem bestimmten Zeitpunkt anzunehmen, oder abzulehnen. In anderer Form könnte es eine ähnliche oder sogar bessere Möglichkeit wieder geben.
Du entscheidest!
Akzeptieren
Falls du dich dafür entscheidest, den Status Quo zu behalten, schwirren die Argumente, dass es doch irgendwie besser gewesen wäre …, möglicherweise weiterhin in deinem Kopf.
Hier braucht es Akzeptanz für die eigene Entscheidung.
Klarheit und Bewusstsein über die Entscheidung können hilfreich sein. Je nach Kontext kann es dir auch helfen, der Entscheidung eine Befristung zu geben. Die Befristung dient der Akzeptanz der Entscheidung und gibt dir die Option, dich mit dem Thema erneut zu befassen.
Ich empfehle es an einen Zeitraum zu koppeln und nicht an eine Bedingung die zuerst eintreten muss. Es sei denn du gehst diese Bedingung bereits aktiv an.
Du kannst genau das, was ich im nächsten Abschnitt schreibe, auch fürs Bewahren durchführen.
Ins Tun kommen
Möglicherweise hattest du die Entscheidung für die Veränderung bereits getroffen. Eventuell bist du auch direkt hierhin gesprungen, um eine Antwort auf die Frage zu finden, wie du den Anfang finden kannst. Darum soll es jetzt gehen.
Die Entscheidung für die Veränderung ist der erste Schritt und zwar ein sehr wichtiger. Du steigst aus der Ambivalenz aus. Du hast dich für etwas entschieden.
Jetzt geht es um das Wie und das Losgehen.
Stell dich noch einmal auf die Seite für die Veränderung. Fühle dich ein. (Falls du nichts aufgebaut hast, macht nichts, fühle dich in die Zukunft ein, die Veränderung hat bereits begonnen. Du darfst einmal diese schwierige Anfangsphase überspringen, quasi ein bisschen vorspulen.)
- Kannst du dich mit einem positiven Gefühl verbinden?
- Was verändert sich für dich?
- Welche Chancen und Möglichleiten ergeben sich?
- Wozu gehst du diesen Weg?
Wenn du so weit bist, komm gedanklich und emotional wieder ins Hier und Jetzt, in den Moment der Entscheidung.
Schau noch einmal auf die andere Seite.
- Welche Argumente stellen für dich Hindernisse dar?
Ignoriere sie nicht oder wische sie weg. Nimm sie wahr und spüre mal nach, was du brauchst, damit sie eben kein Hindernis mehr sind.
- Was ist ein möglicher Schmerzpunkt
- Was ist unangenehm oder schambehaftet?
Vielleicht genügt es, dem Gefühl Raum zu geben, um es abklingen zu lassen. Eventuell ist es ein Gefühl, dass wiederkommen wird, sobald du einen Schritt in Richtung Veränderung gehst.
- Welche Erfahrungen durftest du möglicherweise bereits machen, die dir zeigen, dass es anders ist.
- Was brauchst du, um dieses Gefühl in der Situation aushalten zu können (fühlen und abklingen lassen)?
- Welche Maßnahmen kannst du ergreifen, damit du dich wohler fühlst? (Beim Schamgefühl im Sportbeispiel könntest du schauen, in welcher Kleidung du dich wohl fühlst oder welche Rahmenbedingungen du schaffen kannst, die für dich angenehm sind.)
- Wer könnte dich auf deinem Weg unterstützen?
- Welche persönlichen ressourcen hast du zur Verfügung, die dir auf deinem Weg der Veränderung helfen können?
- Was hat dir früher schon einmal geholfen?
Welche weiteren Hindernisse siehst du, die es dir schwer machen?
- Lassen sie sich kleiner machen?
- umgehen?
- bewältigen?
- umdeuten?
Zum Thema Hindernisse um-gehen habe ich bereits ausführlich geschrieben.
Abschließend stell dir noch einmal ganz bewusst folgende Frage:
- Wozu möchtest du die Veränderung?
- Was ist dein nächster Schritt?
- Was erleichtert es dir, dran zu bleiben?
Anregungen zum „leichter“ durchhalten, nach dem „anfangen“:
- Hat die Veränderung einen festen Platz in deinem Leben? (Kann sie zum Teil deiner Alltags-Routine werden?)
- Hat sie einen Anker? (das kann eine visuelle Erinnerung sein, ein Satz, ein Verbinden mit Bestehendem)
- Welche Erinnerung magst du dir wo und wie setzen?
- Wie kannst du dich zwischendurch mit deiner „Zielidee“ verbinden, mit deinem wozu tust du das?
- Wenn du deine Fallstricke kennst, wie kannst du dir deine Ressourcen passend parat legen, damit du in genau diesen Momenten darauf zugreifen kannst, wenn du sie brauchst?
- Hilft dir eine Selbstverpflichtung, indem du anderen davon erzählst?
Wo stehst du jetzt?
Nicht alle Fragen sind leicht zu beantworten. Und da „mach mal“ eben nicht so einfach funktioniert, ist auch diese Anregung eben auch nur das, eine Anregung. Die Hauptarbeit liegt bei dir.
Veränderungen sind nicht leicht. Sie sind wertvoll und sie brauchen zunächst eine bewusste Entscheidung und danach immer mal wieder eine Erinnerung an diese, bis sie sich in deinem Leben etabliert haben.
Auch wenn ich eingangs schrieb, mach es dir leichter, bedeutet es nicht, dass jetzt alles einfach ist. Es darf schön werden und vor allem anders als vorher.
Es kann hilfreich sein, unterwegs kleine Veränderungen wahrzunehmen.
Und manchmal scheinen wir festzustecken, es passiert gar nicht mehr so viel. Vielleicht erlebst du sogar Rückschläge oder fällst in alte Verhaltensmuster zurück.
Halte durch! Es ist schon anders und wenn du mehr von der Veränderung möchtest, wird dir das auch gelingen, indem du weiter gehst.
Wegbegleitung?
Ich bin hier, falls du dir eine Wegbegleitung wünschst. Angfangen bei der Entscheidung, beim um-gehen von Hindernissen, übers weitergehen und dranbleiben oder aufkommende Zweifel. Wir können einen einzelnen Termin oder mehrere vereinbaren, ganz individuell, was du brauchst.
